Watch Out - Five Years of Cinema Jenin
Da schau an – fünf Jahre Cinema Jenin
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In August 2010, Cinema Jenin was re-opened. The German-Palestinian team faced resistance already during the renovations, although today, the cultural project has improved Jenin’s image.

Almost five years after it all began, Lamei Asir is sitting in his office and he is happy with all of the people coming to the cinema. He is pleased with all of the sold-out documentary film screenings and public talks with directors; all of the youth learning how to make their own films; all of the workshops for the emancipation of women.

Lamei Asir is the manager of Cinema Jenin, a film-theater and cultural center, which will celebrate in August 2015 its 5th anniversary. Back then, the film-theater in the Al-Jamia’ah Street in the city center was re-opened with a three-day festival. The cinema, once the largest in Palestine, stood empty for more than twenty years. In 1987, it was closed – in the times of the Intifada; no one was thinking about culture and entertainment.

The German filmmaker, Marcus Vetter, wanted to change this. He came to the city, forty kilometers north of Nablus, to shoot his film The Heart of Jenin and heard about this cinema. Together with a German-Palestinian team and many volunteers, he wanted to make movie-going in Jenin popular again, but first and foremost possible. He also wanted to offer cultural and social-political workshops. The assistants renovated the film-theater from inside and built a 1,000-seat open-air cinema outside. A total of 750.000€ from donations were made available to them.

Is Israel involved in this?

The team faced resistance time and again. “In the beginning, some were suspecting that the Germans came and took over the cinema,” says Lamei Asir. “Others were worried that one would want to introduce German culture in Palestine, or that Israelis were to be involved in this project.” And of all places, in Jenin, the scene of many fights during the Second Intifada, this was, and still is, not viewed positively. Many believe that the Palestinians should not have a normalized relation with Israel.

And so, a cultural project became the topic of a fierce political debate, as many other things in Palestine. “Everything is political. It is expected, because we still live under occupation. We want our freedom,” says Lamei Asir. He and his co-workers have convinced more and more people that Israel had nothing to do with the project. “Today, it is much better,” explains Asir. “When we show a good documentary and the director is present for a public discussion, we have a full house, 350 seats.”

Hitting rock bottom: The murder of Juliano Mer-Khamis

It was not only the political and social resistance of conservative forces in Palestinian society who gave Marcus Vetter and his team a difficult time. In early 2011, it became suddenly dangerous as Juliano Mer-Khamis, the manager of the Freedom Theater in Jenin, was shot dead. Marcus Vetter said later in an interview with the Stuttgarter Zeitung, that the police assumed the responsibility for the security of the film-theater and the staff. However, many volunteers withdrew. For him, it was like hitting rock bottom.

During the Gaza wars in November 2012 and summer 2014, Cinema Jenin had to carry on without volunteers, or with a small number of them. Yet, Lamei Asir knows that these are only phases and the volunteers – mainly from Germany – will come back to Jenin. He knows, as well, that Jenin now is not only associated with the Intifada, and that is because of the cinema: “As my wife and I were in Italy, we found out that Cinema Jenin is famous in Europe; maybe more famous than Palestine itself.”

Im August 2010 wurde das „Cinema Jenin“ wiedereröffnet. Schon während der Renovierungsarbeiten stieß das deutsch-palästinensische Team auf Widerstand. Doch heute hat das Kulturprojekt das Image von Jenin  aufpoliert.

Fast fünf Jahre, nachdem alles begann, sitzt Lamei Asir in seinem Büro und ist zufrieden. All die Menschen, die nun ins Kino kommen. All die ausverkauften Vorführungen von Dokumentarfilmen und die Gespräche mit den Regisseuren. All die Jugendlichen, die lernen, ihre eigenen Filme zu drehen.  All die Workshops für die Emanzipation der Frauen.

Lamei Asir ist der Geschäftsführer von Cinema Jenin, einem Kino und Kulturzentrum, das im August 2015 sein fünftes Jubiläum feiert. Damals wurde das Kino im Stadtkern Jenins in der Al-Jamia’ah Straße mit einem dreitätigen Festival wiedereröffnet. Ein Kino, einst das größte in Palästina, das  über 20 Jahre lang leer stand. 1987 wurde es geschlossen –  in Zeiten der Intifada dachte keiner mehr an Kultur und Vergnügen.

Der deutsche Filmemacher Marcus Vetter wollte das ändern. Er kam 2008 für Dreharbeiten seines Films „Das Herz von Jenin“ in die Stadt 40 Kilometer nördlich von Nablus und hörte von dem Kino. Zusammen mit einem deutsch-palästinensischen Team, darunter viele Freiwillige, wollte er das  „Ins-Kino-Gehen“ in Jenin wieder beliebt – und vor allen Dingen: möglich –  machen und gleichzeitig kulturelle und sozialpolitische Workshops anbieten.  Die Helfer renovierten das Kino im Inneren und bauten im Hinterhof ein Open Air Kino mit Plätzen für rund 1000 Zuschauer. Insgesamt 750.000 Euro haben sie dafür an Spendengeldern zur Verfügung gehabt. 

Hat Israel etwas damit zu tun?

Doch das Team stieß immer wieder auf Widerstand.  „Am Anfang waren einige skeptisch, dass die Deutschen nach Jenin kamen und das Kino in die Hand nahmen“, sagt Lamei Asir. „Manche hatten Angst, dass man hier deutsche Kultur in Palästina einführen möchte, oder dass es etwas mit Israelis zu tun hat.“ Und gerade in Jenin – einem zentralen Schauplatz der Kämpfe während der zweiten Intifada – war und ist das nicht gerne gesehen.  Viele glauben, man solle mit Israelis kein normales Verhältnis eingehen, so tun, als ob es keine Besetzung gäbe.

Und so wurde auch ein kulturelles Projekt zu einem politisch heiß diskutierten Thema, wie so Vieles in Palästina. „Alles hat mit Politik zu tun, das ist zu erwarten denn wir sind ja noch immer besetzt. Wir wollen Freiheit“, sagt Lamei Asir. Er und seine Mitarbeiter konnten mit der Zeit mehr und mehr Menschen in Jenin davon überzeugen, dass  Israel nichts mit dem Projekt zu tun hat. „Es ist heute viel besser“, erklärt Lamei Asir. “Wenn wir einen guten Dokumentarfilm zeigen und hinterher der Regisseur zu einer Diskussion erscheint, dann ist das gesamte Kino voll, 350 Sitzplätze.“

Der Tiefpunkt: Juliano Mer-Khamis wird ermordert

Doch es war nicht nur der politische und soziale Widerstand konservativer Kräfte der Gesellschaft allein, der es Marcus Vetter und seinem Team schwermachte.  Im Frühjahr 2011 wurde es plötzlich gefährlich: Im April wurde  Juliano Mer-Khamis, der damalige Leiter des Freedom Theatres in Jenin erschossen. Marcus Vetter sagte später in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“, die Polizei habe daraufhin sofort den Schutz des Kinos und der Mitarbeiter übernommen.  Dennoch: Viele Volontäre zogen ab. Für ihn sei es ein Tiefpunkt gewesen.

Auch während der vergangenen Gaza-Kriege – im November 2012 und im Sommer 2014 – musste das Cinema Jenin ohne Freiwillige, oder zumindest mit nur wenigen, auskommen. Doch Lamei Asir weiß, dass das nur Phasen sind und die Volontäre – ein Großteil davon aus Deutschland – hinterher wieder nach Jenin kommen. Und er weiß, dass durch das Kino Jenin heute nicht mehr nur mit der Intifada in Verbindung gebracht wird: „Als meine Frau und ich in Italien waren mussten wir feststellen, dass Cinema Jenin in Europa berühmt ist, vielleicht sogar berühmter als in Palästina selbst.“